Tanzwut - Straßburg 1518
Shownotes
Mehr und mehr Menschen fangen aus einem unerfindlichen Grund an, zu tanzen. Einen konkreten Anlass gibt es eigentlich nicht. Das zutiefst Merkwürdige dabei: sie können wochenlang nicht aufhören. Der Stadtrat befragt Ärzte und Kirchenobere, aber alle Maßnahmen, um die Menschen von der Tanzwut "zu heilen", laufen ins Leere. Bis ein religiöses Ritual die Menschen zurückholt. Vielen Dank an Prof. Dr. Gregor Rohmann, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Tanzwut, der Licht ins Dunkel bringt.
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00:00:00: Faszinierende
00:00:01: Ereignisse, spektakuläre Momente, unerwartete Wendungen.
00:00:08: Jahrhundertgeschichten, Stories die das wahre Leben schrieb.
00:00:13: Heute Tanzwut, Straßburg, fifteen Hunderdachzehn.
00:00:21: Jahr-Hundertgeschichte der True Life Podcast mit Armin
00:00:25: Gro.
00:00:44: Es kam aus dem Nichts.
00:00:47: Dieses Springen, Zucken, Tanzen und Nachtnacht Frauen, Frauen, Mann reich und arm Dutzende Hunderte in Gassen und Straßen Auf den Plätzen und in den Häuser
00:01:13: Feiztanz
00:01:15: Plage Trance Strafe Gottes Fieber Vergiftung Tanzboot Strasburg, Fünfzehn, Achtzehn.
00:01:40: Schwaches Verb schreibt der Duden.
00:01:43: Es gibt verschiedene Bedeutungen einen Tanz ausführen mit jemandem tanzen sich tanzend fortbewegen oder durch Tanzen in einem bestimmten Zustand geraten.
00:01:58: In irgendeinem Zustand waren Menschen im Spätmittelalter aber in welchem?
00:02:03: Juli, fifteenhundertachzehn so berichten die Quellen hat sich in Straßburg Sonderbares zugetragen.
00:02:11: Die Menschen fingen plötzlich an zu tanzen In Gassen auf Plätzen das Verstörende dabei.
00:02:18: sie konnten monatelang nicht aufhören.
00:02:22: der Stadtrat wusste sich nicht zu helfen.
00:02:25: Was steckte hinter der Tanzwut von fifteenhundertachzehn?
00:02:29: War es am Ende ein großer städtischer LSD-Trip?
00:02:35: Wir bräuchten sowas wie einen Selbstzeugnis, von einer Tänzerin oder einem Tänzern oder mehreren.
00:02:39: Und das ist eben das Blöde!
00:02:40: Das haben wir nicht.
00:02:41: Bei der ganzen Geschichte ist es nie jemand auf die Idee gekommen, der da selbst beteiligt war darüber zu schreiben.
00:02:47: Können den Leuten nicht in die Köpfe gucken aber das können wir ja als Historikerinnen und Historiker unseren Akteuren ohnehin nur in den seltensten Fällen.
00:02:54: Gregor Roman ist Professor für Regionalgeschichte in Rostock und hat ein sehr dickes Buch über die Tanzwut-Phänomene des vierzehnten bis siebzehnten Jahrhunderts geschrieben.
00:03:05: Wir kommen noch drauf!
00:03:07: Straßburg, in jenen Tagen war eine freie Reichsstadt
00:03:11: mit
00:03:12: eigener städtischer Ordnung und wichtiger Stellung am Oberrhein.
00:03:16: Die Stadt war Teil eines politisch zersplitterten Umfelds.
00:03:20: Hatte aber als Handels- und Verwaltungszentrum erhebliches Gewicht im Reich, Professor Gregor Goman.
00:03:26: Ein ganz bedeutendes kulturelles Zentrum vor allem auch ein bedeutendes Zentrum des Buchdrucks zum Beispiel der Gelehrsamkeit also die ganze humanistische Gelehrsamkeit.
00:03:38: das spielt in Basel und in Straßburg also in diesen beiden Nachbarstädten.
00:03:42: da spielt die Musik kulturell sozusagen in Süddeutschland.
00:03:45: wird die Stadt von dem Stadtrat, der zum größten Teil aus Vertretern einiger Familien besteht.
00:03:50: Was man so nicht ganz richtig das Patriziat nennt im Grunde eine Oligarchie.
00:03:55: Es hat nichts mit Demokratie oder so zu tun.
00:03:57: Vielleicht zwanzig-fünfundzwanzigtausend Einwohner also im deutschlandweiten Vergleich eine der größeren Städte und nach allem was man weiß eine Stadt, die gerade ökonomisch kulturell eigentlich ziemlich auf einem Höhepunkt ist.
00:04:11: Eine Stadt, die weiß Gott keine Not hat ja sondern den Straßburgern geht es gerade gut in der Mehrheit im Hintergrund.
00:04:16: ein Jahr zuvor hat in Wittenberg einen bis dahin relativ unbekannter Mönch ziemlich innovative Thesen publiziert.
00:04:24: das wird den Straußburgern fünftzehnt achtzehn noch nicht unbedingt so richtig bekannt sein.
00:04:28: Aber das kann man als Hintergrund schon immer mitdenken, also wenige Jahre später wird dann eben auch Straßburg sehr massiv von den Diskussionen um die Reformation erfasst
00:04:38: werden.".
00:04:39: Natürlich gab es Hungersnöte – wir sprechen vom Spätmittelalter!
00:04:43: Die Pest kehrte in Wellen zurück, die Süffelis breitete sich aus.
00:04:47: aber wie oft behauptet wird dass die jahre um fifteenhundertachzehn eine Krisenzeit für Wieder spricht unser Experte Roman.
00:05:15: Diese Argumentation, aha!
00:05:16: Da haben wir eine Notsituation.
00:05:18: Und dann fangen die Leute aus Frust oder aus Angst oder aus was auch immer an zu tanzen.
00:05:22: Das ist so ein gängiges Stereotyp in der Forschung über die Tanzwut und wenn man da irgendwo eine Tanzwutzbewegung hat, dann sucht man lange genug bis man eine Notlage gefunden hat, die dafür der Grund gewesen sein kann.
00:05:33: aber das funktioniert argumentativ nicht wirklich offensichtlich für Straßburg.
00:05:46: Die Quellen sind sich uneins, ob es der vierzehnte oder fünfzehnte Juli war.
00:05:52: Die Luft steht in den Gassen von Straßburg Es ist heiß und schwül Der Gestank von Abfällen abgestandenem Flusswasser Und der Dunst der ungewaschenen Massen Warbert durch die Straßen... ...der Takt von Straußburg ändert sich!
00:06:12: Es beginnt nicht mit einem Paukenschlag sondern mit einer einzelnen Frau.
00:06:19: Ihr Name, so wird später überliefert ist Frau Trofea.
00:06:23: Sie tritt aus ihrem Haus in eine dieser schmalen Gassen und beginnt zu tanzen aber es ist kein Tanz wie man ihn von Hochzeiten oder bei Festen kennt.
00:06:34: Es gibt keine Musik, keine lachenden Zuschauer keinen Anlass.
00:06:39: ihr Körper zuckt eher ihre Arme wirft sie in die Luft.
00:06:44: ihre Beine bewegen sich in einer wilden, unkontrollierten Extase.
00:06:48: Stunden vergehen!
00:06:50: Die Sonne brennt gnadenlos auf sie nieder – doch sie hält nicht inne.
00:06:55: Ihr Blick ist starr fast so als blicke Sie durch die Welt hindurch direkt in den Himmel oder einen tiefen Abgrund.
00:07:04: Trophäer kann nicht aufhören, sie trinkt nicht, sie isst nicht, schläft kaum.
00:07:10: Wenn sie vor völliger Erschöpfung zusammenbricht, dauert es nur kurz bis ihre Glieder wieder zu Zucken beginnen und Sie sich mühsam wieder aufrichtet um weiterzutanzen.
00:07:21: Ihre Füße sind bald blutig, Ihre Beine sind mit blauen Flecken übersäht.
00:07:27: Aus Minuten werden Stunden aus Stunden werden Tage.
00:07:32: Bald schließen sich Menschen ihr an Verfallen in diese seltsame wie soll man sagen Trance.
00:07:42: Jetzt sind es schon dreißig.
00:07:44: Dann fünfzig, dann hunderte die sich drehen, springen und sich in der heißen Luft hin- und herwiegen.
00:07:51: Die Tänzer waren in der Stadt nicht mehr zu übersehen.
00:07:54: Man konnte nicht mehr sagen Ja!
00:07:56: Der Spind halt Es waren zu viele...der Stadtrat reagierte.
00:08:02: Diese Leute sind offensichtlich geschlechtlich gemischt.
00:08:05: Männer und Frauen auch aus unterschiedlichen Schichten, offenbar auch Leute aus der Oberschicht dabei.
00:08:09: Zunächst mal versucht er Rathes, indem man die Ärzte der Stadt fragt was es hier zu tun?
00:08:14: Die Ärzten haben ja bekanntliche Mittelalter so ein besonderes Konzept vom Körper, die Homoralpathologie also diese vier Säftelehre sie kommen jedenfalls dahin.
00:08:24: aha!
00:08:24: Die Leute müssen sich austanzen.
00:08:25: Also wenn ihr die lange genug tanzen lasst dann werden die schon irgendwann aufhören weil sie dann sich sozusagen entspannen können.
00:08:31: Die
00:08:31: Rede war vom überhitztem Blut, weil.
00:08:34: so verwandelte die Stadt den Wahnsinn in ein organisiertes Spektakel.
00:08:39: Man räumte den Getreidemarkt leer, stellte in Hallen und auf dem Pferdemarkt hölzerne Bühnen auf.
00:08:46: Man engagierte Trommler, Pfeifer, Geiger, Hornisten, Musiker-Halt, die den Takt
00:08:52: vorgaben.".
00:08:53: Die Tänzer verhandeln offenbar auch mit dem Rad darüber?
00:08:55: Es wurden sogar Zitat starke Leute bezahlt, die die Erschöpfung stützen sollten damit sie nicht hinfallen.
00:09:04: Es war ein bizarrer Renaissance-Rave eine staatlich verordnete Extase.
00:09:11: Die Zahl der Tanzenden stieg weiter.
00:09:13: an Entsetzen gewinnt die Oberhand.
00:09:16: Zeitgenössische Quellen erwähnen hauptsächlich Erschöfffungen und Zusammenbrüche während spätere Berichte von Schaum vor dem Mund bis hin zu zahlreichen Todesfällen durch Herzinfarkte, Schlaganfälle oder völliger Entkräftung sprechen.
00:09:33: Vereinzelt wird von bis zu fünfzehn Todes fällen pro Tag berichtet.
00:09:38: Aber Professor Roman
00:09:40: Also aus den zeitgenössischen Quellen sind mir darüber keine Zahlen bekannt.
00:09:44: Wenn ich mich jetzt nicht ganz täusche dann ist das eine spätere Zutat Aus der Literatur aus Büchern darüber.
00:09:51: In den Kroniken gibt es eine große Tanzbewegung auch im Rheinland, und da ist von vielen Toten die Rede.
00:09:57: In Straßburg-Fünfzehntachzehn ist mir nichts bekannt, wo man belastbare Todeszahlen hätte.
00:10:04: Ein Hunderte von Menschen gestorben ist dann erst später reingekommen.
00:10:07: Genauso die Anzahl der Tanzwütigen.
00:10:10: Einige Quellen berichten von Tausenden!
00:10:13: Als realistischer gilt wohl das so einige Hundert – vielleicht fünfhundert?
00:10:19: von dem Tanzfieber befallen waren.
00:10:21: Heute schauen Historiker auf die Straßburger Tanzwut, also als reales relativ gut belegtes Ereignis.
00:10:30: Dennoch bleiben viele Details im Dunkeln.
00:10:33: Wir haben die Dokumente im Stadtarchiv von Strasburg und dann Jahre später die zeitgenössische Literatur über die Tanzepidemie.
00:10:45: War kein Einzelfall.
00:10:46: Es gibt eben schon vorher, seit dem vierzehnten Jahrhundert solche Tanzbewegungen im Rheinland und es gibt auch Fünfzehnundachzehn an anderen Orten also in Basel und Schaffhausen.
00:10:56: nicht weit weg von Straßburg ist das auch überliefert.
00:10:59: dass da Leute getanzt haben
00:11:00: Sogar in Sachsen habe ich in einer Quelle gesehen.
00:11:04: Ja, im heutigen Sachsen-Anhalt Kölbich bei Bernburg das ist aber eine sehr isolierte Quelle die ins elfte Jahrhundert schon gehört.
00:11:10: da ist eine Geschichte die eigentlich im heutigem Belgien spielt danach Kölbig verlagert worden.
00:11:15: also in Belgien gibt es einen Ort namens Korbecke und der Ort in Sachseneinheit heißt nun Kölbach.
00:11:20: man vermutet dass das sozusagen dass auf diesen anderen Ort projiziert worden ist.
00:11:24: Und weil wir schon dabei sind Frau Trofea Teil der Geschichte und auch wieder nicht Gregor Roman.
00:11:33: Razzelsus
00:11:34: schreibt, die Frau Trofea ... Der Name ist schon mal völlig unwahrscheinlich für Straßburg-Fünfzehntundachzehn, ne?
00:11:40: Die Leute sprachen da Deutsch und hatten auch entsprechende Namen.
00:11:43: Trofeia ist ein Wort was sich aus dem Griechischen ableitet.
00:11:46: Es gibt keinen sinnvollen Grund weshalb eine eine Frau in Straßbourg-Fünftachzehntein einen griechischem Namen gehabt haben sollte.
00:11:51: Aber er sagt, Trofeea hat Streit mit ihrem Mann Und der Mann hast Tanzen.
00:11:58: Um ihn zu ärgern, fängt sie an zu tanzen und dann ergreift sozusagen die Kraft des Tances Sie und sie kann nicht mehr aufhören und tanzt also sozusagen durch eine selbst induzierte Imagination, tanzt auf der Straße.
00:12:14: andere Leute schließen sich an und dann tanzen sie eben wochenlang.
00:12:17: Das ist die Geschichte, die Paracelsus erzählt.
00:12:20: Aber Paracelus ist erst fünfundstundzwanzig also acht Jahre nach den Ereignissen nach Straßburg gekommen.
00:12:26: Er ist definitiv kein Augenzeuge.
00:12:29: in den Protokollen des Rates, die eben schon zeitgenössisch angelegt werden von Augenzeugen und von Leuten, die darüber beraten.
00:12:35: wie kann man damit umgehen?
00:12:36: Steht davon nichts von der Frau Trophäa!
00:12:38: Der Name Trophæer leitet sich irgendwie von einem griechischen Verb namens Trophän sich drehen kreisen oder so ähnlich ab.
00:12:46: Das heißt, Paracelsus gibt dieser Frau den Namen, die die kreist oder die sich dreht.
00:12:52: Das ist offensichtlich eine gelehrte Anspielung ein kleiner Witz unter humanistischen Gelehrten sozusagen mehr nicht.
00:12:58: Irgendjemand wird damit angefangen haben aber wir kennen nicht den Namen und wir wissen nicht ob es nur Mann oder ein Frau war.
00:13:06: Um es vorwegzunehmen, dass mit dem Austanzen und den Bühnen bereitstellen und den starken Männern hat das Tanzfieber in Straßburg nicht gelindert.
00:13:16: Als immer mehr Bettler die Reihen der Tanzwütigen nutzten um an Lebensmittel und andere Almosen zu gelangen, griffen die städtischen Behörden ein.
00:13:27: Hitler prostituierte und weitere als moralisch anstößig betrachtete Personen wurden kurzerhand der Stadt verwiesen.
00:13:35: Musik- und öffentliche Tänze wurden verboten, außer wenn Mitglieder des Rates einfest eine Hochzeit feiern – da darf Musik gespielt werden.
00:13:46: Irgendwo muss ja ein Unterschied sein!
00:13:48: Die Tanzenden und ihre Angehörigen mussten sich in ihre Häuser zurückziehen.
00:13:53: die Angst vor einer möglichen Ansteckung.
00:13:57: Der Stadtrat schwenkte also ins Gegenteil
00:14:00: um.
00:14:01: Da war es vielleicht schon August, weil das Problem jetzt aber schon lange bestand.
00:14:07: Haben die Menschen angefangen, die Epidemie als Strafe Gottes anzusehen?
00:14:12: Als Fluch!
00:14:14: Das Mittelalter war sehr religiös.
00:14:16: Es muss doch eine Lösung geben.
00:14:19: Das Spannende in Straßburg ist, dass man dort tatsächlich anhand der städtischen Archivalien relativ gut nachvollziehen kann.
00:14:25: Wie der Rat darauf reagiert?
00:14:27: Also wirklich mal kann das über Wochen hinweg verfolgen wie der Rat auch im Grunde wie heute ein politisches Gremium vor so einem Problem auch agieren würde.
00:14:36: ja Man sucht nach Lösungen und diskutiert darüber und man sagt erst einmal Ist es überhaupt ein Problem?
00:14:40: wenn Es ein Problem ist wie können wir es lösen?
00:14:42: dann fragen sie die Ärzte hat ich schon erwähnt.
00:14:44: Die Ärzten sagen Ja da ist der Säftehaushalt durcheinander gekommen jetzt sich ein bisschen austanzen, dann wackelt sich das alles wieder zurecht.
00:14:52: Funktioniert
00:14:52: nicht.".
00:14:53: Dann fragt man den... Das ist ganz spannend!
00:14:54: Dann fragte man den Bischof der sagt ja also das ist ein medizinisches Problem da haben wir als Kirche nichts dazu zu sagen.
00:15:00: Ganz bemerkenswerter Fall ja?
00:15:01: Also als Kürchenoberer lehnt er die Verantwortung dafür ab und sagt da soll ich doch bitte die Ärzte drum kümmern.
00:15:07: Da geht es noch ein bisschen so weiter und irgendwann sehen sie ein Sie müssen wohl doch eine religiöse Gegenmaßnahme ergreifen und dann kann man wieder nachvollziehen wie im Rat überlegt wird.
00:15:16: was machen wir?
00:15:16: jetzt?
00:15:17: kommen sie auf diese Wallfahrt nach Savern und sie stiften eine große Wachskerze für den Heiligen Vitus.
00:15:24: Der
00:15:24: heilige Pfeid oder Vitus wie Gregoroman sagt, wurde zum Patron derer die an Krämpfen und Epilepsie litten.
00:15:33: aber er war ein ambivalenter Heiliger!
00:15:36: Er kann heilen, er kann aber auch sünder Strafen indem er sie zwang sich bis zur Besinnungslosigkeit zu drehen.
00:15:45: Der Legendenach ist Sankt Pfeid in einem Kessel von siedendem Öl gestorben.
00:15:50: Die Tanzenden wurden nach Savern, Zabern geführt zu einer Kapelle des Heiligen.
00:15:57: Dort geschah ein faszinierendes psychologisches Ritual.
00:16:02: Man gab ihnen rote Schuhe die Farbe des Blutes das Märtyratums aber auch die farbe des glühenden Öls aus der Pfeidslegende.
00:16:11: Diese Schuhe wurden mit Krisam, dem heiligen Salpöl geweiht.
00:16:16: Dann zeichnete man Kreuzer auf die Sohlen und besprengte sie mit Weihwasser.
00:16:22: Dann wurden die Betroffenen um den Altar geführt.
00:16:25: Man hielt Messen für sie ab und ließ sie kleine Münzen spenden.
00:16:30: Das Wunder geschah.
00:16:33: Die meisten wurden gesund in dem Sinne dass die Tanzwut von ihnen abließ.
00:16:39: Der rituelle Rahmen anscheinend ließ die Menschen aus dieser Trance erwachen.
00:17:04: Phänomen, die wird als natürlich erklären würden.
00:17:07: Es gibt auch einen Glauben an das Wunder im Alltag, dass die Leute da hingebracht werden und dort dann geheilt werden.
00:17:13: Das ist für die Leute gar nicht außergewöhnlich also für die Zuschauer sondern das ist eher ein Alltagsphänomen.
00:17:19: Also man geht zu so einem heiligen Schrein und dann wird einem geholfen.
00:17:22: der Heilige heilt eben schon die Gebrechen, die man hat.
00:17:25: Das ist also gar nicht so, dass das dann am nächsten Tag als riesen überregionales Wunder verhandelt würde.
00:17:31: Sondern es ist eher der Normalfall!
00:17:33: Das muss man als gedanklichen Hintergrund natürlich im Kopf haben.
00:17:37: So denken die Leute.
00:17:39: Ende September, fifteenhundertachzehn hobt die Stadt das Tanz- und Musikverbot wieder auf.
00:17:45: Die Tanzwut in Straßburg war vorbei Und lässt uns was Erklärungen angeht ziemlich ratlos zurück.
00:17:55: In den letzten fünfhundert Jahren hat man immer wieder versucht, das Massenphänomen zu erklären.
00:18:00: Professor Roman hat ein siebenhundertseitenstarkes Buch veröffentlicht.
00:18:05: Wenn ich es richtig sehe gibt es im Moment zwei drei Bücher zum Thema die so nebeneinander stehen.
00:18:11: Das wäre meines dass eben diese religionsgeschichtliche Erklärung sucht.
00:18:16: Das zweite wäre das von John Waller der im Grunde die sehr populäre alte Vorstellung von Kelina Gottman, die so eine sehr moderne postkoloniale an Foucault geschulte Deutung da dieses ganzen Phänomen sucht auch sehr stark aus der tanzwissenschaftlichen Forschung kommt.
00:18:36: Als vierten Versuch die Straßburger Kolleginnen und Kollegen, die im Jahr zwei tausend achtzehn versucht haben in einer Ausstellung das ganze Immunisär klassisch regionalgeschichtlich darzustellen ich glaube einen Forschungskonsens gibt es dann nicht.
00:18:49: Das liegt ja auch daran dass diese Bücher ganz unterschiedliche Zielsetzungen haben.
00:18:53: Kelina Gottmann wollte eine tanzwissenschaftliche Studie schreiben.
00:18:57: Ich wollte eine religionsgeschichtliche Arbeit schreiben.
00:18:59: Die Straßburger Kolleginnen und Kollegen wollen ein Problem ihrer Stadtgeschichte darstellen, John Waller wollte einen Bestseller schreiben... Wir
00:19:06: pushen natürlich Ihr Buch.
00:19:07: wie heißt es?
00:19:08: Das heisst Tanzwut!
00:19:09: Tanzwud, Kosmos, Kirche und Mensch in der Bedeutungsgeschichte eines mittelalterlichen Krankheitskonzepts.
00:19:16: Das muss ich dazu sagen.
00:19:17: das ist wirklich eine klassische deutsche Habilitationsschrift.
00:19:21: also ich würde das nicht als guten Abend Lektüre empfehlen.
00:19:25: Eine frühe Erklärung hat Paracelsus geschrieben.
00:19:30: Paracelus lebte von fourteenhundertdreiundneunzig bis fünfzehnhunderteinundvierzig, war Arzt, Lehrer, Pharmazeut, Theologe und Naturforscher und gilt als einer der Wegbereiter der frühen Chemie.
00:19:44: Er stellte die damals vorherrschende Lehre in Frage nach der Krankheiten auf einem Ungleichgewicht der Körpersäfte beruhten.
00:19:53: Stattdessen vertrat er die Ansicht, dass Krankheiten durch äußere Einflüsse und Körper fremde Stoffe ausgelöst werden.
00:20:01: Und mit gezielt eingesetzten chemischen Substanzen behandelt werden können.
00:20:06: Dieser Paracelsus aufgehängt an der literarischen Figur der Frau Trofea versuchte die Tanzepidemie zu erklären.
00:20:16: In seiner Erzählung war Frau Troféa eine Zitat Tolle Kreatur.
00:20:24: Er behauptete, sie habe den Tanz nur vorgetäuscht um ihr Nähemann zu ärgern und so habe sie vorgegeben von einer inneren Macht getrieben zu sein Um ungestraft ihrem Eigensinn zu fröhnen.
00:20:39: Andere Frauen hätten es ihr dann nachgemacht.
00:20:42: Paracelsus prägt in Begriff der Korea Lasziva Der unsüchtige Tanz, der sexuelle Ausschweifungen verdeckt.
00:20:51: Ja?
00:20:52: Das Spätmittelalter war eine zutiefst frauenfeindliche Zeit.
00:20:57: Die Tanzwut wird zur weiblichen List umgedeutet zum Protest der moralisch schwächeren Frau gegen die eheliche Ordnung.
00:21:08: Das Narrativ der Frau Trofea ist kein Konstrukt, das helfen sollte, dass unbegreifliche moralisch einzuordnen.
00:21:16: Es zeigt uns, dass die Geschichte der Tanzwut auch eine Geschichte darüber ist wie Männer jener Zeit versuchten weibliche Verzweiflung als Bosheit umzudeuten.
00:21:28: Im sechzehnten, siebzehnten Jahrhundert versuchte man nach wie vor mit der Körpersafttheorie die Tanzwütigen zu erklären.
00:21:37: Das neunzehnte Jahrhundert mit seinen Erklärungsversuchen baute auf Paracelsus auf.
00:21:42: Man versuchte das Phänomen psychologisch zu deuten, Professor Roman.
00:22:03: Justus Friedrich Karl Hecker wäre da zu nennen und die dann oft von Freut und so rezipiert werden.
00:22:07: Paranses Jesus meint damit eigentlich ein bisschen was anderes, aber das ist ein sehr esoterisches Konzept, dass er da hat.
00:22:12: Aber ja!
00:22:12: Es gibt dann im neunzehnten Jahrhundert diese Vorstellung der Massenhysterie die ja auch bis heute immer mal wieder bei jeder Gelegenheit im Grunde herausgeholt wird.
00:22:20: Kein verantwortungsbewusster Psychiater wird heute noch irgendwo eine Hysterie oder eine Massenhysterie diagnostizieren, das sind diagnostische Konzepte, die aus den Handbüchern der Medizin verschwunden sind.
00:22:31: Denn man weiß heute dass sie im Grund nur dazu gedient haben, sagen wir mal da sitzt ein bürgerlicher älterer weißer Mann in seinem Lehnstuhl und alles was er nicht versteht disqualifizierter als Massen-Hysterie.
00:22:41: Und zumal wenn es von Frauen kommt oder von Jugendlichen.
00:22:43: mit guten Gründen werden diese Begründe heute in der Medizin nicht mehr benutzt, weil man ihre Einseitigkeit und auch ihre Untauglichkeit zur medizinischen Erklärung dieser Phänomene erkannt hat.
00:22:52: Nur in der populären Literatur werden sie natürlich immer noch weiter
00:22:56: reproduziert.".
00:23:01: war der, der die Tanzwut auf das Spielfeld der Hysterie gezogen hat.
00:23:06: Der sie auch in die Nähe von Epilepsie rückte.
00:23:09: Da wurden im neunzehnten Jahrhundert sehr gerne mal Birnen mit Äpfeln verglichen – sehr unwahrscheinlich dass Fünfzehnhunderte Achtzehn vierhundert bis fünfhundert Menschen gleichzeitig einen epileptischen Anfall bekamen.
00:23:23: Neunzehn Hundert Einenundfünfzig wurde es dann sehr konkret und spektakulär.
00:23:30: Im französischen Ponzantesprit, nördlich von Avignon verfallen Dutzende plötzlich in einen merkwürdigen Zustand.
00:23:40: Sie haben gruselige Halluzinationen die Körper verränken sich zucken einige sterben.
00:23:47: Zeitungen berichten was war da los?
00:23:51: der grund war schnell gefunden antoniusfeuer oder mutterkorn vergiftung in feuchten sommern Nach kalten Winter.
00:24:01: Bedingungen, die fifteenhundertachzehn durchaus herrschten Gedeit dieser Pilz prächtig und befällt den Roggen.
00:24:08: auf den Feldern Werden die schwarzen Körner mit vermahlen gelangen hochgiftige Alkaloide in das Mehl und schließlich ins Brot Und dann in die Nahrungskette.
00:24:20: Was Straßburg anging Stellte man, dann die Verbindung zur Mutterkornvergiftung her, Professor
00:24:28: Roman.
00:24:29: Es gibt verschiedene Versuche das Ganze durch den Einfluss, durch pharmazeutischen Einflüsse sozusagen oder durch Vergiftungen oder so etwas zu erklären.
00:24:37: es gibt zum einen natürlich die Parallele mit Süditalien und der Tarantella dem sogenannten Tarantismus.
00:24:42: also Ja auch so ein Phänomen von zwanghaften Tanz oder zwang haften Zukunftungen, wo erzählt wird das Käme durch den Riss einer Spinne eben der Tarantel.
00:24:52: Was nicht stimmt.
00:24:53: aber es ist ein relativ ähnliches kulturelles Phänomene und da gibt es dann immer wieder Versuche das zu vergleichen.
00:24:59: Tanzhut nördlich der Alpen, Tarantismus südlich Der Alpen.
00:25:02: Es gibt diesen Versuch das zu erklären als Vergiftung mit dem sogenannten Mutterkorn Und im weitesten Sinne Rauschzustände auslösen kann.
00:25:10: wenn man dieses Korn dann isst ist auch eine Zeit lang sehr intensiv diskutiert worden in der medizingeschichtlichen Forschung und es gibt natürlich alle möglichen Versuche, das in irgendeiner Form sozialpsychologisch zu erklären.
00:25:23: Das Problem bei all diesen Versuchen da einem mehr oder weniger trifftige moderne Diagnose darauf zu kleben ist dass es dem Quellen befunden nicht gerecht wird.
00:25:33: also wenn mehrere Leute in Straßburg über Wochen hinweg sich organisieren offenbar auch so etwas wie Sprecher los schicken die dann mit dem Rad verhandeln Wenn die bei Bewusstsein dabei nur aus irgendwelchen Gründen das Bedürfnis haben, wochenlang zu tanzen.
00:25:48: Dann kann das keine Mutterkornvergiftung, die Rauschzustände auslöst gewesen sein.
00:25:52: Es kann auch kein Spinnenbiss gewesen sein.
00:25:55: Eine weitere Erklärung es gibt ja verschiedene neurologische Symdrome Die heute noch mit dem Pfeiztanz assoziiert werden Also Korea Handtinken zum Beispiel eine erbliche Nervenkrankheit, die sehr schlimme Folgen für die Betroffenen hat.
00:26:07: Aber auch das kann natürlich nicht erklären wenn draußen Leute auf der Straße tanzen.
00:26:11: Das sind alles relativ hilflose Versuche von Medizinern, da durch eine einzige Diagnose dieses Problem irgendwie zu lösen.
00:26:18: Die heutige Medizingeschichte lehnen solche Retrodiagnosen ausdrücklich ab.
00:26:22: Mir hat mal einer der prominentesten Medizin-Historiker Deutschlands gesagt, jeder Arzt, der auf der Grundlage dieses Quellenmaterials eine Diagnosis stellt, dem gehört eigentlich die Approbation entzogen.
00:26:33: Das wird eigentlich nicht mehr gemacht in der Medikingsgeschichte aber in der populären Literatur und im Internet geistern natürlich diese Retrodiagnosen immer noch darum.
00:26:42: Aus
00:26:42: Mutterkorn lässt sich chemisch LSD ableiten.
00:26:47: War Strasburg, fifteenhundertachzehn auf einem kollektiven LSD-Trip?
00:26:52: wohl kaum?
00:26:54: Eine Mutterkornvergiftung verursacht tatsächlich Halluzinationen, Krämpfe und unkontrollierte Bewegungen.
00:27:01: Es scheint die perfekte Erklärung für den plötzlichen Wahn in Straßburg zu sein – doch der Historiker John Waller hat diese Theorie fachlich demontiert!
00:27:12: Tatsache ist, Mutterkorenalkaloide wirken stark gefäs verengend.
00:27:18: Die Betroffenen leiden unter dem sogenannten Antonius-Feuer.
00:27:22: Dabei wird die Durchblutung der Extremitäten so massiv gestört, dass die Glieder abstärben.
00:27:29: Sie werden schwarz, fühlen sich an wie brennendes Feuer und fallen schließlich ab!
00:27:36: Wallers Argumentation ist simpel aber bestechend.
00:27:41: Es ist physiologisch unmöglich mit einer Mutterkornvergiftung übertage hinweg koordinierte rhythmische Tanzbewegungen auszuführen.
00:27:51: Die Schmerzen wären unerträgtig, die Muskulatur würde versagen.
00:27:55: Die Straßburger tanzten aber tagelang sie kreiselten und sprangen.
00:28:00: das passt nicht zu einem toxischen Schock sondern zu einem Zustand tiefer trance.
00:28:09: Tja was bleibt dann als Erklärung?
00:28:12: Wir dürfen nicht vergessen!
00:28:16: Ein Jahr ist es her, dass Luther seine Thesen an die Kirchenpforte genagelt hat.
00:28:21: Die Menschen leben in einer sehr religiösen Welt, die im Umbruch ist!
00:28:27: Für Prof.
00:28:28: Gregor Roman isst die Tanzwut deshalb...
00:28:33: Das kann man dann eben sehr schön nachvollziehen, die etwas ambivalente Rolle des Tanzes in der christlichen Religion und überhaupt in der europäischen Kultur schon seit der Antike.
00:28:43: In der griechischen und römischen Antike-Tanz im religiösen Kult eine sehr große Rolle gespielt hat und das Christentum erbt.
00:28:51: dieses Phänomen bekommt dazu aber eben so eine etwas zweischneidige Position entwickelt das Christentum dazu, denn einerseits wird Tanz als lassiv auch als sexuell aufgeladen.
00:29:01: Auch als vom Teufel induziert abgelehnt.
00:29:04: andererseits wird Tanze immer wieder auch als Form des Gebet oder der religiösen Praxis ausprobiert sozusagen im Christenturm.
00:29:13: weil dass Christentrum sehr stark kosmologische Vorstellungen von der Welt als einem großen Reigen der Himmelsmächte um Gott erbt.
00:29:21: wenn sie in die Spätantike noch römisch zeitliche Theologie schauen, die reden alle immer von der Kirche als einem großen Tanz, einem großen Reigen aller Gläubigen und aller Engel um Gott.
00:29:32: Und dann muss man erstmal auf die Idee kommen das es nicht erlaubt sein soll in der Kirsche zu tanzen wenn die Kirche selbst ein Tanz ist sozusagen.
00:29:38: Dann kann man über die Jahrhunderte nachvollziehen wie diese Idee dass man durch Tanz zu Gott kommen könnte wie die immer wieder aufpoppt.
00:29:46: Und das ist das, was, glaube ich, dahinter steckt.
00:29:48: Wenn da im Spätmittelalter Leute in Rheinland anfangen... ...in der Kirche und auf den Straßen zu tanzen.
00:29:55: Dahinter steht diese Vorstellung, dass Tanz etwas mit der Kommunikation mit Gott zu tun hat.
00:29:59: Dahinten steht aber eben auch das Problem,... ...dass das andererseits auch im Grunde verboten ist durch kirchliches Recht.
00:30:04: Darum führt es immer wieder zu diesem Problem, dass es dann eben als Krankheit gesehen wird.
00:30:09: Weil schon die Zeitgenossen offensichtlich sich darüber nicht mehr verständigen können ob das jetzt taugt als Kommunikation mit Gott.
00:30:17: In Straßburg ist das insofern nicht ganz deutlich, weil die Leute offensichtlich nicht ausdrücklich in den Kirchen tanzen.
00:30:23: Bei den meisten anderen Fällen von Tanzhut, die wir haben, ist es ganz deutlich dass sie in den kirchen tancen.
00:30:28: Also das ist ganz deutlich, dass es da einen religiösen Hintergrund hat.
00:30:31: Ähnlich wie eine Bewegung die ja oft auch mit den Tänzern verglichen wird – Die Geißler, die nicht nur aber auch während der Pestepästepidemie III-XVIII auftreten.
00:30:40: Das ist auch so eine Massen-, oder Gruppenbewegungen vielleicht auch Massenbewegung, die sich ein eigenes Ritual suchen abseits der kirchlichen Heizvermittlung und sozusagen einen eigenen Weg zu Gott suchen.
00:30:50: Letztendlich aber bleibt das Tanzphänomen von Fünfzehnhundertachzehn ein großes Rätsel Weil uns, wie Eingangs erwähnt eine entscheidende Quelle fehlt.
00:31:03: Nie hat ein Tänzer im Nachhinein seine Beweggründe aufgeschrieben.
00:31:09: Die Stadtprotokolle erzählen nur die Gegenmaßnahmen des Stadtrates.
00:31:14: Sebastian Brandt Daniel Specklin sind zeitgenössische Berichte Die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts verfasst wurden und frühere Tanz-Events Mit Einbeziehen und dadurch wird Straßburg verwässert.
00:31:28: Eine Erklärung bleiben diese Berichte schuldig.
00:31:32: Paracelsus, Charcot- und Mutterkornvergiftungen helfen auch nicht weiter.
00:31:38: Der Fall in Straßbourg – es bleibt dabei!
00:31:40: Kann immer nur ohne Gewähr erklärt
00:31:44: werden.".
00:31:44: Abschließend habe ich Professor Gregor Roman gefragt, ob es legitim ist.
00:31:49: Die Love Parade, die Beatle Mania und ähnliche Massen-Tanzmanin mit der Tanzepidemie von fifteenhundertachzehn zu vergleichen.
00:31:58: Tatsächlich ist die Assoziation mit der Tanzwut absolut... Gängig, bei allen Phänomenen von Popkultur seit Anfang des neunzehnten Jahrhunderts.
00:32:07: Also schon die Walzer-Begeisterung Anfang des neuzehnte Jahrhunders wird mit der Tanzwut verglichen.
00:32:12: Jeder Musikstil hat das abbekommen.
00:32:13: Jazz, Skiffle alle Tanzformen der zwanziger Jahre und dann in den fünftiger, sechziger Jahren wieder Rock'n Roll und vorne weg natürlich die Beatles also... Man kann mit dieser Klischeevorstellung vielleicht auch einfach mal aufräumen.
00:32:25: Also junge Leute tun oft Dinge, die ältere Leute nicht mehr verstehen und das wird dann eben gerne mal pathologisiert und dafür dient die Tanzwut sozusagen als historische Vorlage.
00:32:35: bei der Love Parade war das ganz ausgeprägt übrigens in den Neunziger- und Nullerjahren.
00:32:40: irgendwann ist das Thema dann eingeschlafen.
00:32:42: ich würde davon ausgehen es gibt natürlich Popmusik.
00:32:46: bei Popkultur gibt es dieses Flow-Phänomen.
00:32:49: Es gibt natürlich das Gefühl, wie ein die Musik irgendwie zum Abheben bringt aber dass hat nichts mit Tanzkrankheit oder mit angeblichen Massenhysterien zu tun sondern das ist einfach etwas was zur Popkultur dazugehört und Gott sei Dank auch!
00:33:03: Sie ist eine Geschichte, die weiter wirkt.
00:33:19: Die weiter provoziert.
00:33:21: Schon komisch!
00:33:23: So wie die Straßburger nicht aufhören konnten zu tanzen,
00:33:27: suchen wir
00:33:28: über fünfhundert Jahre später die Ursache für ein Phänomen.
00:33:32: Wir können Nicht Aufhören deutsches Radio unternehmen.
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