Die Tamagotchi-Story: Das digitale Haustier
Shownotes
Das Tamagotchi wurde in den 1990er-Jahren zum weltweiten Kultobjekt und veränderte spielerisch unseren Blick auf digitale Gefährten. In dieser Folge geht es um den Erfinder, den Hype, die Faszination und die Frage, warum ausgerechnet ein kleines virtuelles Haustier so viele Menschen emotional packte. Was sagt das Tamagotchi über unsere Beziehung zu Technik, Fürsorge und Verantwortung aus? Prof. Dr. Martina Heßler, Technikhistorikerin an der TU Darmstadt ordnet das das Spielzeug soziokulturell ein.
Hier geht es zu den aktuellen Werbepartnern, Rabatten und Codes aus den RADIO PSR Podcasts: https://www.radiopsr.de/unsere-podcast-werbepartner
Transkript anzeigen
00:00:00: Faszinierende Ereignisse.
00:00:03: Spektakuläre Momente, unerwartete Wendungen Jahrhundertgeschichten Stories die das wahre Leben schrieb.
00:00:13: Heute die Tamagotchi-Story – Das Digitale Haustier Jahrhundert Geschichten.
00:00:20: Der True Life Podcast mit Armin Gro.
00:00:47: schlüpft aus einem
00:00:48: Ei.
00:00:50: Sofort will es Aufmerksamkeit, hat vielleicht Hunger oder will es
00:01:01: Spielen?
00:01:04: Hm, scheint jetzt erst mal glücklich zu sein!
00:01:08: Es kann aber auch böse werden und es kann sterben.
00:01:30: Mitte der neunziger Jahre ging dieser Sound steil.
00:01:34: Weltweit hat das Tamagotschi brutal schnell die Kinderzimmer, Hosen- und Schultaschen erobert.
00:01:42: Dieses Ei war ein Big Hit der japanischen Spielzeugindustrie.
00:01:47: So simpel, so nervig...so erfolgreich!
00:01:52: Dabei wäre die Idee um einen H in irgendeiner Schreibtisch-Schublade versauert.
00:01:57: Als Uhr am Handgelenk angedacht kam es schlussendlich als Schlüsselanhänger auf die Welt.
00:02:04: In diesem Jahr wird es dreißig Jahre alt das Tamagotchi.
00:02:09: Im Großen und Ganzen war es natürlich schon Phänomen für Teenies, aber auch Erwachsen hatten viel Spaß daran.
00:02:14: Und ich glaube das lag schon daran dass es zu dieser Zeit was ganz Besonderes war so ein kleines digitales Gerät, das man in der Hand halten konnte und das reagierte und piepste und dem ist gut oder schlecht ging und natürlich diese Interaktivität die man bis dato noch nicht so kannte also dass das Gerät einen wirklich antwortet wenn man etwas macht.
00:02:33: Martina Hessler ist Professorin für Technikgeschichte an der TU Darm Stadt und hat sich mit dem bunten Ei eindringlich beschäftigt, hat eine Vorlesung über das Tamagotchi gehalten.
00:02:46: Für alle sei es noch mal erklärt – ein Tamagotschi war und ist ein winziges, pixeliges Alien auf einem Briefmalten großen Mini-Bildschirm!
00:02:57: Es schlüpft aus einem Ei und braucht ständige Pflege.
00:03:01: Füttern?
00:03:02: spielen, aufräumen schlafen, schicken bei Krankheit Medizin geben.
00:03:07: Die Besonderheit war der eiförmige Plastik.
00:03:10: Schlüsselanhänger aus Japan hatte eine eingebaute Uhr.
00:03:14: das Tamagotchi lebt also weiter auch wenn man es nicht beachtet Wenn man sich zu lange nicht kümmert wird es krank und stirbt.
00:03:25: kurz gesagt Ein kleines Wesen, das dich durch sein ständiges Piepsen an seine Bedürfnisse erinnerte.
00:03:32: Und viele Kinder zum ersten Mal mit Verantwortung, Fürsorge und sogar dem Tod eines Freundes konfrontierte.
00:03:41: Nur Spielzeug war es nicht Martina Hessler – Das Ding war viel schichtiger!
00:03:46: Wahrscheinlich war es alles zusammen und das machte sicher auch den Erfolg aus.
00:03:50: Aber das Besondere daran ist ja schon, dass es ein Objekt ist, das man auch nicht so leicht einordnen kann.
00:03:56: Also es verhält sich wie etwas was lebendig ist also es hat Hunger, ein Ding, das krank werden kann und gepflegt werden will.
00:04:02: aber gleichzeitig ist es eben dieses unglaublich, wie ich finde hässliche kleine digitale Spielzeug wurde vor allem beworben tatsächlich als digitales Haustier und damit auch eine Gefährte.
00:04:15: aber dieses virtuelle Haustür sein, also ein Objekt das Lebendigsein simuliert und damit ja auch automatisch ein Gefährte ist.
00:04:23: Das Zeichen ist tatsächlich vor allem
00:04:25: aus.".
00:04:25: Der Name kam und kommt von Tamago, japanisch für Ei- und Watchenglisch für Ur – Tamagotchi.
00:04:40: Innovation entsteht selten in den Konferenzräumen großer Konzerne.
00:04:45: Man denkt an all die Garagen, in denen die Jobs & Gates dieser Welt experimentierten.
00:04:51: Beim Tamagotschi war es keine Garage, sondern die japanische Perfektur Chiba.
00:04:57: Beziehungsweise eine Fernsehcouch erkläre ich gleich.
00:05:02: Chiba war damals noch ein ländliches Idol.
00:05:05: Hinter dem Elternhaus von Akihiro Yokoi war ein großes militärisches Übungsgelände für einen kleinen Jungen ein Abenteuerspielplatz.
00:05:15: Yokoi verbrachte seine Kindheit damit Libellen, Zikaden und Frösche zu fangen.
00:05:21: Er liebte es nicht nur die Tiere zu beobachten sondern sie zu pflegen.
00:05:27: Akihiro war Tierlieb hatte selber Haustiere Fische eine Schildkröte und Korallen.
00:05:35: Wenn man Fische hält so hat er gelernt muss man das Wasser wechseln Das richtige Futter geben.
00:05:41: Macht man einen kleinen Fehler sterben Sie.
00:05:46: Genau.
00:05:46: diese Aspekte der Haustierhaltung sollte Yokoi später in seinem Spielzeug vereinen.
00:05:53: Es war dieses Pflegeding!
00:05:56: Das ist auch was viele der Teenies, die ein Tamagotchi besessen haben, berichten?
00:06:02: Also man muss sich ja schon fragen warum stehen Teenies mitten in der Nacht auf um digitales Plasticei zu füttern?
00:06:08: im Anführungsstrichen?
00:06:09: Das zeigt diese enge Verbundenheit und diese Teenies haben eben sehr stark betont dass sie so an diesem Gerät hingen, weil sie sich ihm so verbunden fühlten.
00:06:18: Weil sie eben dafür verantwortlich waren.
00:06:20: also sie mussten sich um das Ding kümmern.
00:06:22: es war auf Sie angewiesen und das heißt das Gerät hat seinen Nutzer, vor allem Nutzerinnen waren's ja mit seiner Bedürftigkeit an sich gebunden.
00:06:31: Und letztlich weiß er auch so dass ohne Betreuung gab es Geräte gewissermaßen nicht.
00:06:36: Also so wie man die Hauskatze wenn man sie nicht füttert verhungern lässt So war das gerät dann eben tot.
00:06:42: Und ein weiterer Punkt, den ich auch sehr interessant finde ist das die Gräte sicher unterschiedlich entwickelt haben.
00:06:48: Also je nachdem wie man es behandelt hat wenn man es vernachlässigt hat war es hässlich und aggressiv und wenn man's gut behandelt hatte wurde es ein schönes Wesen.
00:06:56: Das heißt das Gerät war ja gewissermaßen eine Aufgabe.
00:06:58: also damit war es ja nochmal eine Herausforderung und tatsächlich eine alltägliche Aufgabe und hat damit die Nutzer sehr in Anspruch genommen und für sich eingenommen in gewisser Weise
00:07:09: Als Akihiro Yokoi, die von der Uni ging, war sein Plan als Banker durchzustarten.
00:07:18: Nur er bekam keinen Job!
00:07:21: Also heuerte er beim Spielzeughersteller Bandai an – das war zu der Zeit noch eher klein.
00:07:28: Er bewies Talent und landete direkt in der Planungsabteilung.
00:07:33: Sein erstes Spielzeug, was einigermaßen gut über den Ladentisch ging war ein Spielzeug in Form einer Katzenpfote.
00:07:40: Die sich über eine Million Mal verkaufte.
00:07:43: Jokoi wollte als bald unabhängiger arbeiten.
00:07:47: Gründete sticht daher seine eigene Firma, Wiz – Ein Unternehmen für die Planung, Entwicklung und Produktion von Spielzeug.
00:07:57: Als externes Entwicklungsstudio für Bandai gedacht Muster Yokoi sich und seine sechs Mitarbeiter zehn Jahre lang mit Verpackungsdesign über Wasser halten.
00:08:10: Hart verdientes Geld!
00:08:12: Mitte der neunziger Jahre waren in Japan die fetten Jahre vorbei, The Lost Decade – Die verlorene Dekade.
00:08:20: Jede Branche darbte wirtschaftlich dahin.
00:08:24: Japan hat ja eine ähnliche Wirtschaftshistorie wie Deutschland.
00:08:28: Nach dem Krieg-Wiederaufbau dann das japanische Wirtschaftswunder, die Achtzigerjahre waren ökonomisch das Filetstück, Marken wie Toyota, Sony, Panasonic und Honda eroberten globale Märkte.
00:08:42: Japan war die zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA – bevor die Blase in den Neunzigern platzte!
00:08:49: Dem Spielzeughersteller Bandei ging's auch nicht gut.
00:08:52: Die frühen Neunziger wurden noch durch den Erfolg der Power Rangers wirtschaftlich abgefedert, sixer-neunzig-siebenenundneunzeig steckte Bandai wegen strategischer Fehlentscheidungen mit Apple und sinkender Umsätze in einer schweren Krise.
00:09:08: eine geplante Fusion mit Sega platzte.
00:09:11: aber da ist ja noch dieses Ei.
00:09:15: Und genau in dieser Krise hatte Akihiro Yokoi den Auftrag für Bandai einen Hit, einen Knüller.
00:09:23: Den Abräumer in den Kinderzimmern zu erfinden!
00:09:27: Die Legende geht so... Eines Tages saß Akihiro auf der Couch und glotzte in den Fernseher.
00:09:34: In einem Werbesport wird einem kleinen Jungen verboten seine Schildkröte mit in den Urlaub zu nehmen.
00:09:42: Diese kleine Szene arbeitete in Yokoi.
00:09:46: Schildkröte, hm!
00:09:48: Yokoi wird an seine Schild kröte gedacht haben.
00:09:51: An Chiba und seine Kindheit, in der immer Tiere um ihn waren.
00:09:55: Warum nicht ein Spielzeug Haustier erfinden?
00:09:59: Dass man immer und überall mitnehmen kann.
00:10:02: Um dass man sich kümmern will und muss.
00:10:05: Fünf, sechs Ideen legte Akki Hiro den Bandai-Manager vor.
00:10:10: Eine davon war das Tamagotchi.
00:10:13: Zumindest, was den großen Spiele-Trends damals anging hatte Yokoi den richtigen Riecher.
00:10:19: Das Tamagotchi schlug in eine bestimmte Kerbe.
00:10:22: Professorin Martina Hesler
00:10:24: Der historische Kontext spielt immer eine große Rolle.
00:10:27: Die neunzehntneunzige Jahren waren vielleicht noch mal in besonderer Hinsicht prädestiniert dafür, weil wir einerseits den Gameboy-Jahr hatten – das wird auch immer im Kontext von Tamagotchi erwähnt – also dass die Menschen schon den Game Boy kannten, den man ja auch mit sich führen konnte und damit dann unterwegs spielen konnte.
00:10:44: Das andere ist glaube ich auch sehr wichtig.
00:10:46: Es gab ja in den neunzentneunzigern die erste große Debatte um virtuelle Realität was es überhaupt nun Wirklichkeit realisiert hat im Verhältnis zur Virtualität.
00:10:56: Und es gab die ersten sogenannten Virtual Reality-Apprillen und es gab diese sogenannten Caves, in denen man gehen konnte und in denen Umgebung simuliert wurde also so etwas virtuelles das simulieren etwas anderes zu sein um Pfeil von Tamagotchi Lebendig zu sein.
00:11:12: Das war in den neunzehntneunziger Jahren tatsächlich ein Thema.
00:11:15: wenn ich da noch eine Anekdote dazu ergänzen darf Ich fand das ganz spannend.
00:11:19: die Soziologin Sherry Turkle beschreibt in einem Buch, dass sie mit ihrer Tochter im Museum war.
00:11:24: In den späten neunzehntneunziger Jahren und der Eingangshalt des Brötischen Museums war eine künstliche Schildkröte.
00:11:31: Sie hat sich dann irgendwie aufgeregt, dass da eine künzliche Schilfröte ist und ihre Tochter sagte es ist doch egal ob die lebendig oder künstlich?
00:11:39: Und das war genau so eine Debatte der Neunzehnneunzig-Jahre!
00:11:42: Die Antwort der Tochter zeigt ja, dass für diese Generationen das nicht so wichtig war, ob es echt und lebendige ist solange es sich so anfühlt.
00:11:50: Technisch war das Urtamagocci extrem einfach gehalten, dass Tamagocchi lief auf einem winzigen vier-Bit Steuerchip.
00:11:59: technisch sehr sparsam aber ausreichend für Uhrzeit drei Buttons Pieptöne und die Pixelfigur.
00:12:10: was das Gameplay anging dachte Jokoi anfangs antropische Fische die animiert werden sollten fand er aber zu langweilig.
00:12:19: Katzen oder Hunde?
00:12:21: Zu gewöhnlich!
00:12:22: Die Lösung war so genial wie abstrakt, ein etwa einen Zentimeter großes Alien das in einem eiförmigen Gehäuse auf die Erde gekommen ist.
00:12:34: Ursprünglich plante Akihiro das Ei als Uhr am Handgelenk.
00:12:39: War zu teuer in der Produktion also wurde es der Schlüsselanhänger.
00:12:44: Das Tamagotschi Beziehungsweise Yokoi hatte es schwer.
00:12:49: Die Führungskräfte und Sales Manager bei Bandai taten es als albern ab, was soll daran bitte schön lustig sein?
00:13:01: Der erste Pitch wurde sogar abgelehnt.
00:13:04: nur eine Kollegin glaubte dran sah das Potenzial.
00:13:09: Auftritt Akimaita Marketing.
00:13:13: Sie nahm das Ding auf die Straße und testete es bei jungen japanischen Schulmädchen.
00:13:19: Die Wanderpulz der Zeit!
00:13:20: Wenn Schulmätchen das Ding ablehnen, dann ist es wirklich schrott.
00:13:26: Zwei hundert Schulmähdchen testeten das Tamagotchi und liebten es.
00:13:31: Design und das Spiel sich um ein digitales Wesen kümmern überzeugten komplett.
00:13:36: Kawaii urteilten die Mädchen Süß.
00:13:40: Man kann schon mit drei Tasten offensichtlich relativ vielverschiedene Carrying-Aktionen ausführen und das finde ich auch schon sehr clever.
00:13:48: designt, ja?
00:13:49: Interessanterweise entschied Bandai Akimaita als das alleinige Gesicht des Produkts zu vermarkten.
00:13:57: Die Branche war traditionell.
00:13:59: Man glaubte, die Öffentlichkeit würde ein Spielzeug bei dem es um Fürsorge und Empathie geht eher akzeptieren wenn eine Frau die Schöpferin wäre.
00:14:10: Und sie war ja von der Ausbildung Herr Kindergärtnerin.
00:14:12: von daher hat man natürlich eine ideale Geschichte inszeniert nicht wahr?
00:14:15: Jokoi blieb im Hintergrund was ihn wenig störte.
00:14:19: Jokoy hatte die Vision geliefert Maïta den kulturellen Kontext
00:14:24: Passt zu dem, was wir zumindest über die japanische Kultur und auch die Organisationskultur entfirmen lesen.
00:14:30: Dass eben nicht einer hervorragt mit besonderen Leistungen sondern dass man immer als Gruppe sich verstehen soll.
00:14:36: und das ist vielleicht ein Unterschied zur westlichen Kultur wo es bestimmten Streit gegeben hätte wer denn jetzt hier die Meriten verdient hat für diesen wahnsinnigen Erfolg.
00:14:45: Der wahre Kern des Erfolgs lag in der technischen Kompromisslosigkeit.
00:14:51: Yokoi untersagte strikt einen Pause-Button zu installieren.
00:14:57: Bandai zitterte, was wenn die Kinder schlafen müssen oder in der Schule sind?
00:15:03: Doch Yokoi blieb hart!
00:15:04: Er sagte Wenn man das Spiel pausieren könnte wäre es nicht mehr wie ein echtes Haustier Es würde uninteressant werden.
00:15:14: Das Tamagotschi war halt ein Mitbewohner mit eigenem Rhythmus der nachts das Licht gelöscht haben wollte.
00:15:20: Ja genau, damit wäre die Verbindlichkeit weg gewesen.
00:15:23: also das Gerät hat immer gefordert und wenn man eine Pause knopft drücken kann dann ist es ein komplette Umkehrung dieser Beziehungen.
00:15:29: Diese technische Entscheidung ebnet den Weg für eine völlig neue Form der Mensch-Maschinebeziehung Die wir heute unter dem Begriff Technoanimismus untersuchen.
00:15:40: Wir wissen ja, dass in Japan das Verhältnis zur Technik und auch zu solchen künstlichen Gefährten gefährden ein anderes ist als in Deutschland oder in der westlichen Welt.
00:15:51: Und wenn wir hier sehr stark auf die Unterschiede zwischen Menschen und Maschinen achten und es immer wieder auch nicht Kritik gibt, dass das aufrecht zu erhalten sei hat man in Japan viel weniger dieses dichotoma also dieses polare Denken Hier ist der Mensch und da ist die Maschine.
00:16:05: Das heißt Es gibt eine lange Tradition Maschine als etwas Gleichsamlebendiges zu akzeptieren.
00:16:13: Und das wird sehr häufig auf diesen Animismus, also die Religion des Animismus zurückgeführt.
00:16:17: Aber Panologen, insbesondere Kursima Wagner hat das eben kritisiert und sagt es seine viel zu eindimensionale Erklärung.
00:16:25: Man könnte es nicht monokausal mit der Religion erklären, sondern es hätte auch sehr viele mit kulturellen Entwicklungen und auch popkulturellen Entwicklung zu tun, dass eben dann in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts, also nach dem Zweiten Weltkrieg auch Figuren wie der Astro Boy, die Comicfigur als Helfer von Kinder sehr populär war und eine wichtige Figur.
00:16:45: in der Kultur geworden sei und da schon dieses Denken in lebendigen Kategorien.
00:16:50: Der künstliche Helfer, der an meiner Seite steht, virtuell konzipiert wurde.
00:16:55: Dass wir überhaupt Gefühle gegenüber Objekte haben ist sicher historisch gar nicht neu.
00:16:59: Es wurde auch vielfach untersucht.
00:17:01: also es gibt ja die Forschung zu Fetisch und es gibt psychologische Forschungen, wo man bestimmten Objekten gegenüber besondere Gefühlen erhegt und welche Rolle Emotionen für die Selbstbildung führen.
00:17:11: Also all das gibt es schon und wir kennen das aus unserer eigenen Biografie dass wir zum Beispiel die enge Beziehung zum Auto oder zum Fahrrad haben, die Namen bekommen usw.
00:17:20: Tatsächlich ist das Tamagotchi etwas ganz anderes weil es eben antwortet also diese Interaktivität, dass Maschinen auf ein Antworten und wird damit nochmal auf neue Weise reagieren.
00:17:31: ich denke, dass es tatsächlich eine Zelsur im Menschmaschinenverhältnis
00:17:44: in den Regalen kaum Chancen einräumten.
00:17:48: Nicht jeder Shop bestellte, was sich bitter rechen sollte!
00:18:04: Das bedeutet die Läden waren voll.
00:18:06: viele Familien hatten frei.
00:18:08: Ein idealer Launchtermin für ein neues Spielzeug.
00:18:15: Es heißt, Bandai ging mit dreißigtausend Eiern ohne Gewehr an den Start.
00:18:21: Man erwartete nicht viel vom Tamagotchi.
00:18:25: Jedenfalls und diese Zahl ist verbrieft Ende neunzig hatte der Konzern vierhundert tausend Tamagotschis verkauft.
00:18:33: das Stück zu eintausend neunhundachzig jen.
00:18:37: Das entsprach damals etwa fünfundzwanzig bis siebenundzwantzig D-Mark.
00:18:41: Die Dinger waren so schnell vergriffen, dass die Produktion hochgefahren werden musste.
00:18:46: Das Kunden anfingen vor den Läden zu kampieren!
00:18:49: Überteuerte Preise wurden unter der Hand gezahlt, nur damit man das neueste
00:18:55: Must-Have
00:18:56: besitzen konnte.
00:18:58: Ab Mai-Mai-Ninzehnhundert-Siebenundneunzig gab es
00:19:01: kein Haltenmeer.
00:19:02: Das Tamagotchi wurde zum globalen
00:19:04: Flächenbrat.
00:19:06: Erster Mai-Siebeneunzig – Verkaufsstart in den USA San Francisco, die Filiale des legendären FAO Schwartz Stilzeugladens.
00:19:17: Verkauft bis fünfzehn Uhr.
00:19:20: alle bestellten dreitausend Eier!
00:19:23: Der Flagship Store in New York auf der Fifth Avenue verkaufte bis Mittag des folgenden Tages.
00:19:29: alle bestelten zehntausend Tamagotchis.
00:19:34: In Deutschland lag das Tamagotschi ab dem zwölften Mai siebenundneunzig in den Regalen Zum Superpreis.
00:19:42: Während der Gameboy damals ein Hundert-Siebzig-D-Mark kostete, Der Gameboy Pocket Sechsundneinzig noch hundertfünfzig Mark war das Tamagotchi für unschlagbare dreißig Mark zu haben.
00:19:56: In den ersten Monaten gingen weltweit Millionen über die Ladentheke.
00:20:01: Akihiro Yokoi und Akimaita hatten eine Ölkwelle angezapft Die fröhlich sprudelte.
00:20:09: Sie erhielten den LG Nobelpreis, ein satirischer Nobelprei für das Verwandeln von Millionen Arbeitsstunden in verlorene Zeit.
00:20:20: Für Kinder allerdings war es purer Ernst sich um die Aliens zu kümmern.
00:20:25: Klar entbrannte schnell eine Diskussion ob Kinder wirklich von Tamagotchis so vereinnahmt werden sollten.
00:20:34: Die erwachsenen Welt prognostizierte Apokalypse Martina Hesler.
00:20:39: Einige der Argumente findet man heute wieder, diese besorgten Argumnte und Tod- und Gewalt war zwei Punkte die zu sehr viel Besorgnis führten.
00:20:49: und im Hinblick auf den Tod versagten einige Kommentatoren dann, das überfordert doch die Jugendlichen und wie wird hier mit dem Sterben umgegangen?
00:20:57: Und sie können ihre Trauer gar nicht bewältigen und es wurden sogar Seelsorgeangebote gemacht.
00:21:02: Auf der anderen Seite waren da die Gegenpositionen die sagten Wenn so ein Tamagotchi einer dreißig Parken stirbt, dann ist das eine Banalisierung des Todes.
00:21:12: Damit würden Menschen also Jugendliche gar nicht lernen mit dem Tod als einem gravierenden Ereignis umzugehen.
00:21:19: Aber eine der großen Diskurse und der andere, der glaube ich noch viel wichtiger war, war auch die Frage der Gewalt.
00:21:25: Also was ist eigentlich wenn Jugendliche gewalttätig gegenüber dem Tamagotschi sind?
00:21:30: Und was bedeutet das dann und kann man das zulassen?
00:21:32: Ich gab Berichte, dass einige das Küken gequält hätten.
00:21:36: Sie haben es verhungern lassen und beobachtet, was dann passiert.
00:21:40: Es gab sogar ganze Internet-Pages in denen das thematisiert wurde und als Missbrauch beschimpft wurde.
00:21:46: Dann wurden Gebote aufgestellt, was man alles nicht machen darf... Und es gab dann die Debatte, einigen Jugendlichen würde das Spaß machen und würde das dann, wenn sie das so ungestraft war.
00:21:55: Es führt nicht zu der Strafe, wenn Sie sowas machen an einem virtuellen Gerät andere zu quälen ob das eben zur Verrohung führt.
00:22:04: In China Hongkong Thailand in den USA Deutschland Frankreich Großbritannien und in Australien wurden Tamagotchis im Schulbetrieb verboten.
00:22:14: lenkt nur ab.
00:22:16: vereinzelt entstanden Babysitter Lösungen.
00:22:19: In Japan richteten manche Büros Tamagotchi-Krippen ein, damit das Alien weiter gepflegt wird wenn Herrchen keine Zeit hat.
00:22:28: In Taiwan schlug eine Stadträtin ernsthaft offizielle Betreuungsdienste vor die jedoch nie umgesetzt wurden.
00:22:37: Aber so wie oft im Netz zu lesen ist flächendeckende kommerzielle Tamagotschi Babysitterstellen gab es nicht.
00:22:47: War ein Tamagotschi gestorben, war die Trauer groß.
00:22:52: In der japanischen Ur-Version erschien dann einen Grabstein auf dem Display – zu grausam für den Markt im Westen!
00:22:59: In den USA oder auch in Deutschland wurde ein Engel animiert, der in den Himmel fährt….
00:23:05: In der zweiten Generation wurde das Wesen von einem UFO abgeholt und flog zu seinem Heimatstern.
00:23:12: Ob in Japan oder im Weste egal welches Bild erschien?
00:23:16: Der Schmerz war echt.
00:23:18: Die Menschheit lernte, um einen Mikrochip zu weinen, Martina Hesler.
00:23:24: Es
00:23:24: gab auch Tamagotchi Friedhöfe.
00:23:26: Diese Individualisierung war eine extrem geschickte Strategie.
00:23:29: Nämlich diese Diskrepanz zwischen Wissen – es ist ein künstliches Objekt und nicht lebendig oder biologisch.
00:23:37: Trotzdem fühlt man dem Objekt gegenüber so wie man es auch gegenüber Lebendigen fühlt.
00:23:44: müssen wir so konstatieren und es ist ein ganz interessantes Phänomen.
00:23:48: Dass Menschen Dinge vermenschlichen oder in diesem Fall werden sehr vertierlich, aber verlebendig, nennt man ja Anthropomorphisierung und das wird tatsächlich schon sehr lange beobachtet.
00:23:58: also es gibt auch Psychologen die im neunzehnten Jahrhundert schon über diese Anthropomophisierung gesprochen haben und gesagt haben, sobald sich ein Objekt irgendwie lebendig zu verhalten scheint.
00:24:09: Sobald es lebendigt anmutet wenn er sich nur bewegt dann haben wir den Hang als Menschen es zu verlebendigen.
00:24:16: Das heißt das ist schon eine lange Tradition.
00:24:17: aber trotzdem nochmal dass wenn es plötzlich antwortet und wir nicht nur zuschreiben dass es irgendwelche Eigenschaften hat die Lebendigsinn sondern dass es die viel stärker imitieren kann Dann ist das schon eine hessische Zäsur.
00:24:31: Und plötzlich hörte die Ölkwelle auf zu sprudeln.
00:25:03: war der Tamagotschi Trend Ende neunundneinzig vorbei.
00:25:07: Die Kinderherzen sind weitergezogen, Trends wie Pokémon Furby und Digimon waren jetzt in.
00:25:15: Und dennoch das Tamagotchi war Vorreiter für viele digitale Gadgets die für uns heute selbstverständlich sind.
00:25:24: Professorin für Technikgeschichte Martina Es
00:25:27: gibt ja diesen Begriff des Tamagotchi-Prinzips, dass Dinge so design sein sollen, dass sie persönlich wirken individuell und auf die Benutzer Bedürfnisse zugeschnitten sind.
00:25:38: Also sich auch entwickeln im Hinblick auf die Bedürfenisse.
00:25:41: Das heißt das Tamagotschi lebt in gewisser Weise mit diesem Tamagotchiprinzip als Designprinzip fort.
00:25:47: Und man kennt es übrigens auch von Sprachapps.
00:25:50: Wir denken jetzt immer an die artificiellen Gefährten.
00:25:52: aber ich finde wenn Sie zum Beispiel mit Apps lernen, gibt es oft auch Figuren die dann beleidigt sind, wenn man nicht weiter lernt.
00:25:59: Die einem Nachrichten schicken, wo bist
00:26:01: du?
00:26:02: Also ich finde das auch da, dass Tamagotchi tatsächlich weiterlebt und von daher schon so eine wichtige Urfigur war.
00:26:08: Aber es lebt auch noch fort in der Robbe Paro, die ein Altenheim eingesetzt wird.
00:26:13: So'n graues Stofftier mit großen Kula-Augen kann den Kopf bewegen ist auch nicht so leicht und die vor allem in Deutschland für Demenzkranke eingesetzt gefährden oder Roboter im Alkenheim einsetzen kann.
00:26:29: Auch hier haben wir eigentlich wieder die Idee, das künstliche Lebendigen zu dem Menschen eine Beziehung aufbauen
00:26:34: sollen.".
00:26:34: Die schon mal von mir erwähnte Soziologin Ethnologian Shrey Turkle hat dafür den sogenannten robotic moment genannt.
00:26:42: also sie straffen einem robotic moment und sie sagte dass sei ein Moment um die Jahrtausendwende.
00:26:48: und sie beobachtete zu diesem Moment, dass Menschen bereit sein, künstliche Gefährten oder Roboter eben zu akzeptieren als Freunde.
00:26:55: Und sie hat das beobachtet und tatsächlich erschreckt.
00:26:58: aber sie sagte hier ist ein historischer Wandel und es ist jetzt akzeptabel eine Beziehung zu einem künstlichen Wesen zu haben.
00:27:08: In den letzten Jahren kamen immer wieder neue Varianten der Pflegeeier dazu.
00:27:16: Tamagotchis konnten dann irgendwann auch heiraten!
00:27:21: Aki Maitas Spur verliert sich komplett, was sie heute macht weiß nur sie selbst und Aki Hiroyokoi ist mittlerweile seventy-one und kann wahrscheinlich jemals noch ein recht sorgenfreies Leben führen.
00:27:36: Sein im digitalen Haustier sei es gedankt.
00:27:39: Wie viel er konkret am Tamagotchi verdient hat, ist nicht öffentlich dokumentiert.
00:27:45: Seinen YouTube-Kanal pflegt er wohl auch nicht mehr.
00:27:49: Vor sechs Jahren hat Yokoi das letzte Video hochgeladen.
00:27:53: Das habe ich noch gefunden.
00:27:56: Eröffnete er ein Golfkursstudio in Tokio – dass es auf drei Standorte expandierte.
00:28:29: Jahrhundert Geschichten, der True Life Podcast.
00:28:33: Recherchiert,
00:28:34: erzählt
00:28:35: und produziert von Armin Gro, ein Original-Podcast
00:28:38: von
00:28:38: Regiocast, deutsches Radiounternehmen.
Neuer Kommentar